SCBL-Website

Der Verein

Unser Revier

Törns, Regatten, Bilder ...

Aktuelles

Boote

Startseite Impressum Kontakt Unsere Sponsoren

Törnberichte

„Notizen einer etwas anderen Urlaubswoche“
(aufgezeichnet von Hans-Werner Kneusels, Bad Lauterberg im Harz)Boot: „AXEL“ (Eigner: Adolf Grünig, Sudheim)
Sloop, Typ „Edel 600“ (Frankreich), Baujahr 1980
Länge ü.a.: ca. 6,90 m, Länge WL: 6,00 m
Tiefgang mit Schwert: ca. 1,20 m, ohne Schwert: ca. 0,90 m
Gewicht ausgerüstet: ca. 1,1 t,
Außenbordmotor: Yamaha, 5 PS
Liegeplatz: Kiessee Northeim

Vom 23. bis 30. Mai gesegelte Strecke: ca. 166 Seemeilen (etwa 307 Kilometer)

Freitag, 21. Mai 2004 (Tag nach Himmelfahrt)

Bad Lauterberg, morgens um 08.00 Uhr Regen, 8° C, Windsstärke 0. Um 14.40 Uhr geht es los: Abfahrt nach Sudheim über Osterode, Katlenburg und Suterode. Ab Osterode hört der Regen auf. Als wir gegen 15.20 Uhr in Sudheim ankommen, scheint sogar die Sonne und es wird warm.
Axel ist schon da. Seine Eltern und er sind dabei, das Boot zu beladen. Der Mast, der längs über Bugkorb und Kajüte liegt, muss noch gesichert werden. Pinne und Großbaum wandern ins Vorschiff bzw. Kajüte. Mein Gepäck „verschwindet“ ebenfalls nach vorn, damit genug Gewicht auf der Deichsel des Trailers liegt. Nach etlichen guten und auch wichtigen Ratschlägen von Axels Eltern sind wir um 16.20 Uhr soweit und rollen los. Nun noch den Ford Focus, der erst jüngst für diese Fahrt mit einer Anhängerkupplung ausgestattet wurde, vollgetankt und die Reifen vom Bootstrailer auf den richtigen Luftdruck gebracht.

Es ist 16.30 Uhr, als wir auf der Autobahn A 7 in Richtung Hannover am Kiessee Northeim vorbei fahren, auf dem „Axel“ sonst liegt. Im Laufe des Abends fahren wir mit 80-85 km/h über die Autobahn A 2 in Richtung Berlin, dann auf der A 10 (Berliner Ring) westlich um Berlin herum und gelangen schließlich nördlich von Berlin auf die B 96 in Richtung Greifswald. Am Himmel sind keine Wolken mehr zu sehen. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang wird es allmählich dunkel und auch kalt, während wir über die Alleen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns nach Norden fahren.
Durch dunkle Waldstücke gelangen wir weiter zur Ostseeküste, erreichen um 01.00 Uhr am Samstagmorgen Greifswald und landen im relativ neuen Yachthafen der Innenstadt in der Nähe der Hanse-Bootswerft. Auf einem ausgewiesenen Parkplatz nahe der Bootswerft stellen wir die Fahrzeuge ab. Es ist sternenklar und die Außentemperatur sinkt weiter, als wir in das auf dem Trailer liegende Boot klettern und in die Schlafsäcke kriechen.

Samstag, 22. Mai 2004

Wir haben einen wolkenlosen Himmel. Der Wind kommt aus West mit Stärke 3, zunehmend. Als nach 08.00 Uhr kein Hafenmeister in Sicht ist, beschließen wir um 08.30 Uhr weiter in Richtung Stralsund zu fahren, um bei Stahlbrode mit der Fähre über den Strelasund überzusetzen. Gegen 09.20 Uhr verlassen wir die Bundesstraße bei Reinberg und bekommen um 09.30 Uhr die Fähre nach Losentitz auf der Halbinsel Zudar (Rügen). Weiter geht’s durch wunderschöne Alleen über Garz und Krasnevitz nach Putbus. Um 10.00 Uhr erreichen wir den Yachthafen Lauterbach, etwa 1 km südöstlich von Putbus. Inzwischen ist die Temperatur auf 14° C gestiegen, die Sonne scheint, aber es herrscht nach wie vor ein frischer Wind, der noch zunimmt.

Um 11.30 Uhr ist das Boot per Kran im Wasser. Axel fährt es mit Motor zum Liegeplatz zwischen den schwimmenden Ferienhäusern am nördlichen Steg. Dort machen wir fest, um anschließend den Mast aufzustellen. Während Axel alles vorbereitet, die Wanten, Stage sowie Großbaum und Segel bereitlegt, fahre ich mit seinem Wagen nach Putbus, um einzukaufen.

Wir brauchen noch Brot, frischen Käse, Eier, Wurst, etwas Obst und Bier. Ich habe Glück, vor Geschäftsschluss noch alles zu erhalten, da hier die Supermärkte samstags pünktlich um 13.00 Uhr schließen. An Bord zurück essen wir erst mal ordentlich, bevor wir uns mit dem Mast und dem Rigg befassen. Wir fassen den Entschluss, heute hier zu bleiben, alles fertig aufzutakeln, die Segel anzuschlagen und am Nachmittag einige Schläge zu segeln, um alles zu testen.

Von 15.30 bis 16.30 Uhr segeln wir zwischen Lauterbach und der Insel Vilm, dem früheren Urlaubsdomizil Erich Honneckers. Im Westen zieht ein Unwetter auf. Starker Regen und Wind kündigen sich an. Wir gehen wieder ’rein, klaren das Boot auf, machen sauber und verstauen, was bisher noch keinen richtigen Platz gefunden hat. Anschließend ist Rasieren und Duschen angesagt.

Um 18.00 Uhr geht es mit dem Auto zum „alten“ Hafen von Lauterbach. Anschließend fahren wir zum Hotel-Restaurant „Nautilus“, ca. 5 km entfernt im Ortsteil Neukamp. Jules Verne lässt grüßen: ein Restaurant wie Kapitän Nemos U-Boot. Erinnerungen an „20.000 Meilen unter dem Meer“ werden wach. Sogar die Orgel ist vorhanden. Das Restaurant hat einen derartigen Zulauf, so dass man ohne Reservierung keinen Tisch bekommt. Wir haben Glück und finden Platz an der Theke. Neben gepflegtem Pils vom Fass genießen wir Matjes mit Bratkartoffeln.

Etwa 20.30 Uhr sind wir wieder an Bord und genehmigen uns noch ein Bier, schauen in die Seekarten und überlegen, was morgen früh anliegt und wohin wir segeln wollen. Trotz vorherrschender nordwestlicher Winde beabsichtigen wir nach einem leicht zu segelnden Stück nach Süden um Zudar herum den Strelasund aufwärts nach Stralsund zu gehen. Ab Palmer Ort an der Südspitze Zudars werden wir allerdings kreuzen müssen, um im Strelasund nach Norden zu kommen.

Sonntag, 23. Mai 2004

Wir wachen gegen 07.30 Uhr auf. Es ist bewölkt, der Wind kommt aus Nord mit Stärke 4 - 5.

Während des Frühstücks gibt es draußen immer wieder kurze Regenschauer. Als wir gegen 10.00 Uhr alles segelfertig gemacht haben, lassen die Schauer jedoch nach und die Sonne kommt heraus.

Die Wolken ziehen ab. Um 10.15 Uhr verlassen wir den Yachthafen von Lauterbach und segeln zunächst nach Süden. Der Wind kommt aus Nord mit 5 – 6, es ist sonnig, die Lufttemperatur beträgt 10° C. Wir wollen nach Stralsund, in den Yachthafen am Fährhafen (Innenstadt).
Segeltörn „Rund um Rügen“
21. bis 30. Mai 2004
mit Axel Grünig, Sudheim (bzw. Niederwerrn bei Schweinfurt) als Schiffsführer
„Notizen einer etwas anderen Urlaubswoche“
(aufgezeichnet von Hans-Werner Kneusels, Bad Lauterberg im Harz)Boot: „AXEL“ (Eigner: Adolf Grünig, Sudheim)
Sloop, Typ „Edel 600“ (Frankreich), Baujahr 1980
Länge ü.a.: ca. 6,90 m, Länge WL: 6,00 m
Tiefgang mit Schwert: ca. 1,20 m, ohne Schwert: ca. 0,90 m
Gewicht ausgerüstet: ca. 1,1 t,
Außenbordmotor: Yamaha, 5 PS
Liegeplatz: Kiessee Northeim

Vom 23. bis 30. Mai gesegelte Strecke: ca. 166 Seemeilen (etwa 307 Kilometer)

Streckenverlauf:


Alle Zeiten in MESZ, d.h. UCT / GMT + 2 Stunden

Freitag, 21. Mai 2004 (Tag nach Himmelfahrt)

Bad Lauterberg, morgens um 08.00 Uhr Regen, 8° C, Windsstärke 0. Um 14.40 Uhr geht es los: Abfahrt nach Sudheim über Osterode, Katlenburg und Suterode. Ab Osterode hört der Regen auf. Als wir gegen 15.20 Uhr in Sudheim ankommen, scheint sogar die Sonne und es wird warm.
Axel ist schon da. Seine Eltern und er sind dabei, das Boot zu beladen. Der Mast, der längs über Bugkorb und Kajüte liegt, muss noch gesichert werden. Pinne und Großbaum wandern ins Vorschiff bzw. Kajüte. Mein Gepäck „verschwindet“ ebenfalls nach vorn, damit genug Gewicht auf der Deichsel des Trailers liegt. Nach etlichen guten und auch wichtigen Ratschlägen von Axels Eltern sind wir um 16.20 Uhr soweit und rollen los. Nun noch den Ford Focus, der erst jüngst für diese Fahrt mit einer Anhängerkupplung ausgestattet wurde, vollgetankt und die Reifen vom Bootstrailer auf den richtigen Luftdruck gebracht.

Es ist 16.30 Uhr, als wir auf der Autobahn A 7 in Richtung Hannover am Kiessee Northeim vorbei fahren, auf dem „Axel“ sonst liegt. Im Laufe des Abends fahren wir mit 80-85 km/h über die Autobahn A 2 in Richtung Berlin, dann auf der A 10 (Berliner Ring) westlich um Berlin herum und gelangen schließlich nördlich von Berlin auf die B 96 in Richtung Greifswald. Am Himmel sind keine Wolken mehr zu sehen. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang wird es allmählich dunkel und auch kalt, während wir über die Alleen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns nach Norden fahren.



Durch dunkle Waldstücke gelangen wir weiter zur Ostseeküste, erreichen um 01.00 Uhr am Samstagmorgen Greifswald und landen im relativ neuen Yachthafen der Innenstadt in der Nähe der Hanse-Bootswerft. Auf einem ausgewiesenen Parkplatz nahe der Bootswerft stellen wir die Fahrzeuge ab. Es ist sternenklar und die Außentemperatur sinkt weiter, als wir in das auf dem Trailer liegende Boot klettern und in die Schlafsäcke kriechen.

Samstag, 22. Mai 2004

Wir haben einen wolkenlosen Himmel. Der Wind kommt aus West mit Stärke 3, zunehmend. Als nach 08.00 Uhr kein Hafenmeister in Sicht ist, beschließen wir um 08.30 Uhr weiter in Richtung Stralsund zu fahren, um bei Stahlbrode mit der Fähre über den Strelasund überzusetzen. Gegen 09.20 Uhr verlassen wir die Bundesstraße bei Reinberg und bekommen um 09.30 Uhr die Fähre nach Losentitz auf der Halbinsel Zudar (Rügen). Weiter geht’s durch wunderschöne Alleen über Garz und Krasnevitz nach Putbus. Um 10.00 Uhr erreichen wir den Yachthafen Lauterbach, etwa 1 km südöstlich von Putbus. Inzwischen ist die Temperatur auf 14° C gestiegen, die Sonne scheint, aber es herrscht nach wie vor ein frischer Wind, der noch zunimmt.

Um 11.30 Uhr ist das Boot per Kran im Wasser. Axel fährt es mit Motor zum Liegeplatz zwischen den schwimmenden Ferienhäusern am nördlichen Steg. Dort machen wir fest, um anschließend den Mast aufzustellen. Während Axel alles vorbereitet, die Wanten, Stage sowie Großbaum und Segel bereitlegt, fahre ich mit seinem Wagen nach Putbus, um einzukaufen.

Wir brauchen noch Brot, frischen Käse, Eier, Wurst, etwas Obst und Bier. Ich habe Glück, vor Geschäftsschluss noch alles zu erhalten, da hier die Supermärkte samstags pünktlich um 13.00 Uhr schließen. An Bord zurück essen wir erst mal ordentlich, bevor wir uns mit dem Mast und dem Rigg befassen. Wir fassen den Entschluss, heute hier zu bleiben, alles fertig aufzutakeln, die Segel anzuschlagen und am Nachmittag einige Schläge zu segeln, um alles zu testen.

Von 15.30 bis 16.30 Uhr segeln wir zwischen Lauterbach und der Insel Vilm, dem früheren Urlaubsdomizil Erich Honneckers. Im Westen zieht ein Unwetter auf. Starker Regen und Wind kündigen sich an. Wir gehen wieder ’rein, klaren das Boot auf, machen sauber und verstauen, was bisher noch keinen richtigen Platz gefunden hat. Anschließend ist Rasieren und Duschen angesagt.



Um 18.00 Uhr geht es mit dem Auto zum „alten“ Hafen von Lauterbach. Anschließend fahren wir zum Hotel-Restaurant „Nautilus“, ca. 5 km entfernt im Ortsteil Neukamp. Jules Verne lässt grüßen: ein Restaurant wie Kapitän Nemos U-Boot. Erinnerungen an „20.000 Meilen unter dem Meer“ werden wach. Sogar die Orgel ist vorhanden. Das Restaurant hat einen derartigen Zulauf, so dass man ohne Reservierung keinen Tisch bekommt. Wir haben Glück und finden Platz an der Theke. Neben gepflegtem Pils vom Fass genießen wir Matjes mit Bratkartoffeln.

Etwa 20.30 Uhr sind wir wieder an Bord und genehmigen uns noch ein Bier, schauen in die Seekarten und überlegen, was morgen früh anliegt und wohin wir segeln wollen. Trotz vorherrschender nordwestlicher Winde beabsichtigen wir nach einem leicht zu segelnden Stück nach Süden um Zudar herum den Strelasund aufwärts nach Stralsund zu gehen. Ab Palmer Ort an der Südspitze Zudars werden wir allerdings kreuzen müssen, um im Strelasund nach Norden zu kommen.

Sonntag, 23. Mai 2004

Wir wachen gegen 07.30 Uhr auf. Es ist bewölkt, der Wind kommt aus Nord mit Stärke 4 - 5.

Während des Frühstücks gibt es draußen immer wieder kurze Regenschauer. Als wir gegen 10.00 Uhr alles segelfertig gemacht haben, lassen die Schauer jedoch nach und die Sonne kommt heraus.

Die Wolken ziehen ab. Um 10.15 Uhr verlassen wir den Yachthafen von Lauterbach und segeln zunächst nach Süden. Der Wind kommt aus Nord mit 5 – 6, es ist sonnig, die Lufttemperatur beträgt 10° C. Wir wollen nach Stralsund, in den Yachthafen am Fährhafen (Innenstadt).

12.00 Uhr. Wir kommen gut voran, sind im Strelasund und müssen kreuzen. Der Wind hat auf Nordwest gedreht, kommt also genau entgegen unserer Fahrtrichtung. Im Laufe des Nachmittags wird das Wetter richtig gut. Sonnenbrillen und Sonnencreme sind angesagt. Etliche parallel laufende Segler benutzen den Motor. Wir haben jedoch bis zur Öffnung der Ziegelgrabenbrücke (zwischen Stralsund und dem Dänholm) genügend Zeit und fahren lieber unter Segeln weiter. Das macht bei der herrschenden Windstärke ja gerade den Reiz aus.
Nach Passieren der Fähre Stahlbrode, mit der wir gestern nach Rügen kamen, kreuzen wir weiter im winkligen Fahrwasser um die Halbinsel Drigge, vor der 1945 die „Gorch Fock I“ von ihrer Besatzung selbst versenkt wurde. Es ist 16.30 Uhr, als die Ziegelgrabenbrücke vor uns liegt. Wir machen in der Nähe der Volkswerft an Dalben fest und nutzen die Zeit bis zur Brückenöffnung, um zu essen. Um 17.20 Uhr geht es durch die geöffnete Klappbrücke. Im Segelhafen Stralsund, südlich der Nordmole, machen wir um 18.00 Uhr fest, nur wenige Gehminuten vom alten Stadtkern Stralsunds entfernt.
Gesegelt sind wir heute etwa 35 Seemeilen. Nach einem Tee machen wir uns nach einem Abstecher zum Liegeplatz der alten „Gorch Fock I“ auf den Weg in die Stadt. So stehen wir gegen 20.00 Uhr auf dem Alten Markt und bewundern die Schaufassade des Rathauses: ein Prachtexemplar der hanseatischen Backsteinarchitektur. Anschließend „unterqueren“ wir das Rathaus durch den langgestreckten Innenhof, ohne eine Türe öffnen zu müssen. Durch die Fußgängerzone gelangen wir zur großen Marienkirche, davor der Neue Markt.

Am Stadthafen lädt uns eine urige Hafenkneipe noch zu einigen Pils vom Fass ein. Mit einer Busladung älterer Ehepaare (alles Bauern aus Bayern, die zu einem Freundschaftsspiel ihrer Fußballmannschaft in Stralsund waren) haben wir unseren Spaß: sie sind besonders sanges- und trinkfreudig und laden uns zu einem „Kümmel“ ein. Den schlagen wir natürlich nicht aus. Um 00.30 Uhr sind wir zurück und liegen bald darauf in den Kojen.

Montag, 24. Mai 2004

Gegen 07.00 Uhr werden wir durch den Hafenbetrieb (Fähre, Handwerker, Fischer) geweckt. Es ist schwach bewölkt und heiter, die Sonne wärmt schon ordentlich. Der Wind kommt aus Nordwest mit 4 und ist böig. Die sanitären Einrichtungen des Yachthafens werden zur Zeit vom neuen Betreiber der Anlage fertiggestellt. So ist es verzeihlich, dass z.B. die Duschen noch keine Ablage- oder Aufhängemöglichkeit für Kleidung oder Waschzeug haben.

Wir wollen heute nach Hiddensee, Rügens „kleiner Schwester“. Günstiger wäre Wind aus West oder Südwest, da das sehr enge und flache Fahrwasser nach Hiddensee fast genau in nördliche Richtung verläuft. So werden wir hoch am Wind segeln müssen, ohne die Möglichkeit auf dem Tonnenweg zu kreuzen. Es ist 08.00 Uhr. Erst einmal frühstücken wir ausgiebig und sehen dann, wie es mit dem Wind steht. Wir haben Glück: während der Segelvorbereitung dreht der Wind weiter auf West, ganz anders als der Seewetterbericht, der rechtsdrehenden Wind vorhergesagt hatte.

10.30 Uhr: Leinen los, kurz nach der Hafeneinfahrt die Fock hoch und ins Fahrwasser (Tonnenweg) nach Norden in Richtung Zingst und Hiddensee. Auf Höhe der Marine-Technikschule Parow wird das Großsegel gesetzt, sicherheitshalber mit einem Reff. Wir können mit fast halbem Wind auf nördlichem Kurs durchsegeln. Unterwegs zweigt backbord das Fahrwasser nach Zingst ab. Auf beiden Seiten des betonnten Weges beträgt die Wassertiefe an manchen Stellen nur etwa 30 – 50 cm. Wellen, die durch den Wind und die Boote erzeugt werden, brechen sich teilweise an diesen Untiefen.

Ohne zwischendurch auf einen anderen Bug zu gehen, gelangen wir so bis zur Hafeneinfahrt von Vitte auf der östlichen Seite von Hiddensee. Direkt vor der Hafeneinfahrt beginnt das kurze Nebenfahrwasser in den privaten Yachthafen „Lange Ort“. Zurückgelegt haben wir heute etwa 20 Seemeilen.

Unterwegs war es leicht bewölkt, immer wieder gab es sonnige Abschnitte. Der Wind wehte mit Stärke 6, in Böen mit 7. Das Reff im Großsegel hatte schon seine Berechtigung. Die Fahrt war durch zeitweilig überkommendes Wasser etwas nass, dafür aber zügig und nicht lang-weilig. Auch heute sind größere Boote, obwohl besser besegelt, auf gleichem Kurs mit Motor gefahren!

Um 15.00 Uhr machen wir bei herrlichem Sonnenschein, aber starkem Wind im Yachthafen fest. Die Liegegebühr beträgt 10 € für einen Tag. Daran merken wir, dass wir auf einer kleinen Insel gelandet sind. Dafür sind Steganlage und Sanitärgebäude in sehr gutem Zustand. Als wir zu Fuß den Hafen verlassen, wird auch gleich noch die Tageskurtaxe von 1,50 € pro Person kassiert.

Gegen 16.30 Uhr sind wir in Vitte. Wir kaufen wir uns leckere Fischbrötchen und je eine Flasche Rostocker Pils. Da die Insel relativ schmal ist, sind wir bald am schönen Strand der Westseite. Im Windschutz zweier Strandkörbe nehmen wir, auf ein paar Fischkisten sitzend, unseren Imbiss ein.

Nach Rückkehr an Bord schreibe ich einige Ansichtskarten an Familie und Freunde. Später, gegen 19.30 Uhr, spazieren wir erneut vom Yachthafen „Lange Ort“ nach Vitte zum Abend-essen. Etwa um 23.00 Uhr sind wir zurück auf dem Boot und trinken noch ein Absackerbier. Der ausgehängte Wetterbericht sagt für den kommenden Tag Wind der Stärke 7 – 8, in Böen 9, aus Nordwest voraus. Da wir planen, von Hiddensee ein ganzes Stück nach Norden aus dem Landschutz heraus zu segeln und dann nach Osten um Kap Arkona zu gehen, entschließen wir uns, kein unnötiges Risiko einzugehen, sondern einen „Ruhetag“ einzulegen. Nach einem ordentlichen Frühstück werden wir über den Ort Kloster zur Nordspitze Hiddensees wandern, um uns den Leuchtturm Dornbusch und die Umgebung anzuschauen.

Dienstag, 25. Mai 2004 (Hiddensee)

Wir frühstücken in aller Ruhe und machen uns anschließend auf den Weg nach Kloster. Hier sind nur Fußgänger, Fahrräder und Pferdewagen unterwegs. Es ist fast Mittag, als es von Kloster weitergeht ins Naturschutzgebiet Dornbusch, wie der nördliche höher gelegene Teil Hiddensees heißt (72 m). Rechts und links des Weges blühender Ginster, der stark duftet. Weiter aufwärts rauscht der starke Wind in den Kiefern und treibt die Wolken sehr schnell nach Osten. Im Windschutz der Bäume und in Senken ist es warm. Wir erreichen den weißen Leuchtturm von Dornbusch.

Die Insel gehört mit 1800 bis 1900 Sonnenstunden im Jahr zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands. Besonders jetzt im Frühjahr scheint die Sonne fleißig, denn die Ostsee ist noch verhältnismäßig kalt und deshalb die Wolkenbildung gering. Wir schauen eine gute Weile nach Westen und Norden auf die aufgewühlte Ostsee und sind froh, dass wir heute nicht dort draußen unterwegs sind. Der Ausblick von hier oben ist atemberaubend. Es bieten sich großartige Landschaftsbilder.

Später am Nachmittag gehen wir über den Weg an der Steilküste, von dem man weit über den Süden der Insel bis zu den Kirchtürmen Stralsunds am Horizont sehen kann. Der Weg führt uns hinunter zum Strand, an dessen Buhnen sich bei dem herrschenden Starkwind die Wellen mit meterhohen Gischtfontänen brechen.
An Bord zurück gibt es ein einfaches Abendessen. Nach dem Abwasch folgt ein abschließendes Bier vor dem Schlafen. Morgen wollen wir versuchen nach Norden weiter zu kommen. Anschließend dann um Kap Arkona in Richtung Südost nach Lohme oder Glowe an der Schaabe, wie die Nehrung zwischen Tromper Wiek und Gr. Jasmunder Bodden heißt.

Mittwoch, 26. Mai 2004

Wir sind gegen 07.00 Uhr wach. Draußen ist es kalt und bewölkt mit sonnigen Abschnitten. Der Wind kommt mit Stärke 5 - 6 aus West. Das ist für unser Vorhaben ausgesprochen günstig. Um 09.00 Uhr haben wir das Boot und die Segel klar zum Auslaufen. Mit Motor geht es die wenigen Meter aus dem Hafen heraus, draußen nehmen wir sofort die Segel hoch. Uns folgt eine Segelyacht von gut 10 Metern Länge. Kurz vor Erreichen des Hauptfahrwassers versucht der Bootsführer nach Süden in Richtung Stralsund abzukürzen und läuft prompt auf Grund. Die Wassertiefe außerhalb der Fahrrinne beträgt laut Seekarte nur knapp 1 Meter und weniger. Wir sind schon ein ganzes Stück nach Norden gesegelt und passieren die Nordspitze Hiddensees. Beim Blick durchs Fernglas können wir sehen, dass die aufgelaufene Yacht immer noch versucht, sich durch die rückwärtslaufende Schraube zu befreien.

Aus dem Schutz von Hiddensee herauskommend, erfassen uns jetzt der Wind und die See ungeschützt. Voraus sind in der Ferne am Horizont eine Fregatte und ein Schnellboot erkennbar, die nach Osten ablaufen. Über uns hinweg ziehen mit hoher Geschwindigkeit dunkle Wolken, die anschließend über Rügen abregnen. Wir bleiben von oben trocken. Auch von vorn kommt trotz starken Windes und einer Wellenhöhe von etwa 1,5 Metern kaum Wasser über, da das Boot bei etwas größerer Wellenlänge nicht mehr so hart einsetzt, sondern die Wellen besser abläuft. Wir fahren so recht flott mit geschätzten 6 - 7 Knoten. Ablesen können wir die Geschwindigkeit nicht, weil das Log nicht angeschlossen ist.
Der Wind kommt so günstig, dass wir westlich von Kap Arkona nur einmal halsen müssen, um auf Ostkurs zu gehen, der uns an der Nordküste Rügens entlang bis Kap Arkona bringt. Markant sind die beiden Leuchttürme: der ältere ist viereckig und 20 Meter hoch. Heute dient er als Museum und Standesamt. Seit 1902 schickt der nebenstehende 34 Meter hohe Turm bei Dunkelheit und schlechter Sicht sein Blitzfeuer über 21 Seemeilen weit aufs Meer hinaus. Außerdem ist der ehemalige Marinepeilturm der Kriegsmarine zu nennen. Er bekam eine moderne Glaskuppel aufgesetzt und ist heute Aussichts- und Ausstellungsturm. Gegen 13.00 Uhr stehen wir nordöstlich von Kap Arkona und haben damit den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Wir öffnen zwei Flaschen Bier und trinken auf die Umrundung, nicht ohne vorher einen guten Schluck für „Neptun“ geopfert zu haben.

Seltsamerweise dreht zu dieser Zeit der Wind auf Nordwest, so dass wir fast vor dem Wind nach Südost in Richtung Lohme über die Tromper Wiek laufen können, wieder ohne größere Segelmanöver. An Steuerbord können wir in der Ferne den mehrere Kilometer langen Sandstrand zwischen Juliusruh und Glowe ausmachen.

Um 15.30 Uhr sind wir im kleinen Hafen von Lohme an der Nordküste von Jasmund. Schon von weitem haben wir gesehen, dass im Hafen keine Sportboote liegen. Beim Einlaufen wird klar, weshalb: der Hafen stinkt fürchterlich – vermutlich faulender Tang! Unsere Liegeplatz-nachbarn auf Hiddensee hatten uns vorgewarnt. Unser Entschluss: wieder ’raus aus dem Hafen und nach Glowe, das weiter westlich an der Schaabe liegt.

Über Wittow im Westen zieht eine dunkle Wolken- und Regenfront hoch. Der Wind kommt nun aus West mit Stärke 7, in Böen auch mit 8. Nun wird es anstrengend und der sportliche Teil des Tages beginnt, da wir die etwa 5 Seemeilen bis vor die Hafeneinfahrt Glowe gegen an kreuzen müssen. Durch den Wind entsteht eine unangenehm kurze Welle, die uns jetzt hart und nass segeln lässt. Das Großsegel ist gerefft, die Fock ist für diesen Wind zu groß. Axel will so dicht unter Land jedoch nicht wechseln. Es ist schon eine Knüppelei, bei der wir diesmal ordentlich nass werden.

Inzwischen ist es 17.00 Uhr und wir sind immer noch nicht im Hafen. In den Windböen haben wir ordentlich Schräglage. Axel muss mehrfach das Großsegel auffieren, um den Winddruck zu verkleinern. Dabei verliert das Boot an Fahrt, also anschließend Segel wieder dichter, um wieder mehr Vortrieb zu haben. Vor dem Yachthafen Glowe startet Axel sicherheitshalber den Motor. Wir nehmen die Segel ’runter und fahren mit Motor zu den Liegeplätzen im Innenbereich des Hafens.

Zurückgelegt haben wir heute etwa 35 Seemeilen. Ein bisschen abgekämpft klaren wir noch in nassen Sachen das Boot auf und gehen danach im modernen und sauberen Sanitärgebäude zum Duschen. Inzwischen ist es 19.00 Uhr. Heiß Duschen, frische Wäsche und ein trockenes Hemd – das tut gut! Gegen 20.00 Uhr machen wir uns auf den Weg ins etwa 500 Meter entfernte Glowe, einem aufstrebenden Touristenort. Im Restaurant „Zur Schaabe“ nehmen wir ein günstiges Angebot wahr: Rotbarschfilet mit Pommes frites für 7,60 €. Als Vorspeise teilen wir uns einen frischen Heringssalat und gönnen uns zum Nachtisch Pflaumenkuchen. Der hier übliche Kümmel zur Verdauung darf nicht fehlen.

Um 22.00 Uhr sind wir zurück auf dem Boot. Die aufgehängten nassen Kleidungsstücke werden nicht richtig trocken, da die Luft zu feucht ist. Sie müssen am nächsten Morgen nochmals herausgehängt werden, bevor sie weggepackt werden können. Auf den heutigen abwechslungsreichen Tag, die „sportliche“ Einlage am Nachmittag und das gute Essen am Abend genehmigen wir uns vor dem Schlafen einen Whisky aus meiner Taschenflasche.

Donnerstag, 27. Mai 2004

Es ist 07.00 Uhr, als ich wach werde. Die Wolken des gestrigen Tages haben sich verzogen. Die Sonne steht schon eine ganze Zeit am blauen Himmel. Es weht ein schwacher Wind aus Nord. Nach dem Frühstück räumen wir auf und kontrollieren die Bilge. Ich schöpfe etwas Wasser aus und trockne mit einem Lappen. Vermutlich handelt es sich nur um Schwitzwasser. Bei der Gelegenheit reinigen wir gleich die Bodenbretter und räumen alles wieder ein. Heute Abend schauen wir noch mal nach, wie viel Wasser sich bis dann gesammelt hat.

Um 10.30 Uhr verlassen wir den Hafen, während der Wind fast einschläft. Wir segeln mit der Genua und ausgerefftem Großsegel zunächst auf Ostkurs.
Wir wollen nach Thiessow im Süden von Mönchgut. 12.00 Uhr: der Wind bleibt schwach und wir kommen nur langsam voran in Richtung Südost. Gegen 14.00 Uhr sind wir erst querab Stubbenkammer / Königsstuhl. Bis zum Thiessower Hafen ist es für heute zu weit. Wir werden nach Sassnitz gehen. Wir machen nach 15 Seemeilen um 16.00 Uhr im alten Stadthafen von Sassnitz fest und klaren das Boot auf. Anschließend genießen wir unser „Einlaufbier“, während wir in der Sonne sitzen und anderen Booten beim Anlegen zuschauen. Teilweise sind es größere Boote, die wir bei dem schwachen Wind aufgrund unseres günstigeren Segelflächen-Masse-Verhältnisses unterwegs überholt haben.

Es ist gegen 19.00 Uhr, als wir uns zu einem Rundgang aufmachen. Sassnitz in einer Hanglage. Von vielen Punkten der Stadt kann man deshalb hinunter auf den Fischerei-, Ausflugs- und Segelhafen blicken. Über die schützende 1,5 Kilometer lange Mole geht der Blick dann weiter auf die weite Ostsee.

Wir beenden unseren Rundgang mit einem Abendessen in der „Pommerschen Fischräucherei“ am Fischereihafen. Das geräumige Restaurant befindet sich in einem neuen Hafengebäude. Der Gastraum ist mit Fangutensilien, Rettungswesten und Laternen der vergangenen Epochen geschmückt. Außerdem finden sich dazwischen lauter Haushalts- und Gebrauchsgegenstände aus der ehemaligen DDR. Von unserem Tisch können wir auf einen Räucherofen sehen, der hinter der Theke steht. Wir essen panierten Dorsch mit Bratkartoffeln. Da wir offensichtlich einen hungrigen Eindruck machen, finden wir jeder anstatt eines Dorschfilets anderthalb auf unseren Tellern. Auch hier gehört der übliche Kümmel als „Nachtisch“ dazu. Wir liegen um 23.00 Uhr in der Koje und hoffen auf etwas mehr Wind am nächsten Tag.

Freitag, 28. Mai 2004

Als wir um 07.00 Uhr aufstehen, sind die Hafentoiletten sauber gemacht worden. Das Duschen lassen wir heute ausfallen, da die Duschen im Hafen privat verpachtet sind und die Benutzung 2 € pro Person kosten soll. Stattdessen waschen und rasieren wir uns in den frisch gereinigten Toilettenräumen. Nach dem Frühstück mit frischen Brötchen wird das Boot segelfertig gemacht. Es ist wieder sonnig und wir haben einen schwachen Wind aus Nordwest. Um 09.15 Uhr steuert Axel mit Motor ins Hafenbecken. Dort setzen wir Segel. Es ist 09.30 Uhr, als wir den Hafen von Sassnitz verlassen und uns auf den Weg nach Thiessow machen. Zunächst geht es direkt vor dem Wind in Richtung Südost über die Prorer Wiek, wie die Bucht zwischen Sassnitz und dem Seebad Sellin heißt. Wir passieren Prora in einer Entfernung von etwa 4 Seemeilen.

Am Seebad Binz vorbei geht es weiter nach Südosten. Durch das Fernglas sehen wir die Gebäude und die etwa 4 Kilometer lange Strandpromenade. Als wir kurze Zeit später das Seebad Sellin passieren, dreht der Wind auf Südwest mit Stärke 2 – 3 und die Wolken verschwinden vollends. Die Wettervorhersage verspricht 10 Stunden Sonne am heutigen Tag. Um 11.30 Uhr ist der Wind jedoch fast eingeschlafen und kommt auf Höhe des sogenannten „Nordperds“, der nordöstlichen Spitze Mönchguts, plötzlich mit 0,5 – 1 aus Nord! Dann dreht er weiter auf Ost, bleibt aber schwach. Es herrscht nahezu Flaute. In kurzen Böen nehmen wir immer wieder Fahrt auf und sind dann schneller als größere, schwerere Boote. Wir fahren mit Motor etwa 0,5 Seemeilen nach Süden und siehe da, dort haben wir wieder Wind. Er kommt jetzt aus Süden und wir kreuzen entlang der Ostküste von Mönchgut vorbei an Lobbe.

Gegen 13.30 Uhr dreht der Wind plötzlich weiter auf West und frischt zusehends auf. Nun müssen wir mit langen Schlägen kreuzen, um das sogenannte „Südperd“ und den „Thiessower Haken“ umrunden zu können. Mit dem letzten Schlag nach Norden kommen wir bis zur Ansteuerungstonne von Thiessow, bergen das Großsegel und fahren wegen des schmalen Fahrwassers sicherheitshalber nur mit der Genua weiter. Jetzt laufen wir vor dem Wind fast genau Kurs Ost im „D-Zugtempo“ (mit geschätzt 7 Knoten rauschender Fahrt) hinein nach Thiessow. Der kleine Hafen, den wir um 15.30 Uhr erreichen, ist in erster Linie Fischereihafen. Mit Platz für etwa 10 Sportboote gilt er jedoch unter Seglern als Geheimtipp. Die heute zurückgelegte Distanz beträgt ca. 25 Seemeilen.

Nach dem Duschen machen wir uns auf den Weg in den etwa 2 Kilometer entfernten Ortskern, um einzukaufen. Auf dem Rückweg bietet sich eingroßartiger Blick über die Bucht, die angrenzenden Wälder und die Rapsfelder in voller Blüte, die sich bis zum Ufer hinunter ziehen. An Bord zurück sind wir kurz nach 18.00 Uhr. Im schönsten Sonnenschein trinken wir ein „Störtebeker Pils“, während auf den Nachbarbooten schon heftig gegrillt wird.

Dafür essen wir einige Zeit später im Restaurant „Zum Hafen“ Bratheringe „satt“. Auch hier lassen wir den üblichen Kümmel folgen und trinken außerdem Störtebeker-Bier aus Gläsern ohne Fuß, die nicht alleine stehen können (Störtebeker = Stürz’ den Becher). An Bord überlegen wir bei einem letzten Bier, was wir am morgigen Samstag machen wollen. Wir werden versuchen, nach Greifswald zu segeln und dann am Sonntagmorgen ganz früh aufbrechen nach Lauterbach, unserem Ausgangspunkt.

Samstag, 29. Mai 2004 (Pfingstsamstag)

Wach werden wir um 07.30 Uhr. Nach umfangreichem Frühstück laufen wir mit Motor vom Hafen durch das Fahrwasser bis zur Ansteuerungstonne zurück und nehmen dort die Segel hoch. Bei schwachem Wind aus Nord segeln wir mit Kurs Südwest in Richtung Greifswald. Es ist sonnig, aber kühl. Mittags brennt dann die Sonne, weil der Wind fast einschläft. Es geht nur noch langsam voran. Uns kommen viele Segler aus Greifswald entgegen, die wohl alle das lange Pfingstwochenende nutzen wollen. Viele fahren mit Motor, da sie sonst aus der Greifswalder Bucht nicht herauskämen. Es ist relativ still auf dem Wasser. Wir machen kaum Fahrt durch das Wasser. Von den Booten in einiger Entfernung kann man die Stimmen gut hören. Es wird 16.00 Uhr, bis wir im alten Hafen von Greifswald-Wieck sind. Gesegelt sind wir heute rund 18 Seemeilen. Wir machen an einem freien Liegeplatz des Akademischen Segelvereins Greifswald fest.
Da der Hafenmeister des ASV erst um 18.00 Uhr wieder da sein wird, nehmen wir ein verspätetes Mittagessen und das letzte Bier aus Thiessow ein. Währenddessen beobachten uns die Spaziergänger auf der Hafenpromenade und wir unsererseits den regen Sportbootverkehr im Hafen an diesem wunderschönen Samstagnachmittag. Etwas später erscheint der „Hafenmeister“, ein Clubmitglied des ASV, das heute „Dienst“ hat. Wir halten einen kleinen Schwatz mit ihm. Er fragt nach dem „woher“ und erklärt dann seinerseits, dass er Einbeck und Einbecker Bier kennt.

Abends spazieren wir am Hafen entlang, überqueren das Flüsschen Ryck mit Hilfe der alten Klappbrücke und gönnen uns auf der Südseite im Restaurant “Fischerhütte“ ein Abschlussessen: Matjes, dazu Bier vom Fass.

Auf dem Rückweg zum Boot dunkelt es bereits. Wir gehen bis zum Ende der nördlichen Hafenanlage und steigen in der Abenddämmerung auf eine Aussichtsplattform über dem Obergeschoss des dort stehenden Apartmenthauses. Über das stille Wasser blicken wir zum nordwestlichen Horizont. Der Himmel ist von der bereits untergegangenen Sonne noch gelblich erhellt, im dunklen Osten und Süden funkeln bereits die Sterne. Zurück an Bord trinken wir noch den letzten Whisky aus meiner Taschenflasche auf ein glückliches Ende der gemeinsamen Fahrt, die bis hierher gut und harmonisch verlaufen ist.
Pfingstsonntag, 30. Mai 2004

Geweckt werden wir um 05.00 Uhr durch Fischer, die mit tuckerndem Diesel den Hafen verlassen. Die Sonne geht gerade auf und es weht, es ist kaum zu fassen, ein frischer Wind aus Süden! Gefrühstückt wird heute unterwegs. Am Ende des betonnten Fahrwassers nehmen wir die Segel hoch und laufen mit Genua und Großsegel genau vor dem Wind nach Norden. Über dem Wasser liegt noch Dunst der vergangenen kühlen Nacht. Die Sonne wärmt nur langsam.

Wir schaffen bis 09.00 Uhr etwa die Hälfte der Strecke nach Lauterbach. Im Norden sind die Küste von Rügen mit Lauterbach und die Insel Vilm im Fernglas bereits gut zu erkennen. Leider schläft der Wind, der uns bis jetzt recht flott vorankommen ließ, nahezu ein. Es wird warm, die Sonne beginnt unangenehm zu brennen. Es ist nach wie vor etwas dunstig. Wir holen die Segel ein, schlagen sie ab und verstauen sie erst einmal im Vorschiff. Um mittags in Lauterbach zu sein, müssen wir den Rest des Weges mit Motor zurücklegen. Um 11.30 Uhr liegen 18 Seemeilen hinter uns und wir im Hafen vor dem Kran, beginnen abzutakeln und legen den Mast um. Der Hafenmeister ist um 12.00 Uhr da und schaut nach uns. Er lässt uns wissen, dass er jetzt nach Hause müsse, damit er keinen Ärger mit seiner Frau bekäme, die mit dem Pfingstbraten auf ihn warten würde. Wir nutzen die Zeit und essen, auf einer Bank am Hafen sitzend, von unseren letzten Vorräten. Inzwischen ist es richtig warm und schwül geworden. In der Ferne liegt Dunst über dem Wasser. Der Horizont ist nicht mehr klar auszumachen.

Pünktlich um 13.00 Uhr ist der Hafenmeister wieder da. Kurze Zeit später liegt das Boot auf dem Trailer. Wir verzurren das Boot, die Befestigung des Mastes wird noch mal kontrolliert und ich fülle noch mal unsere Wasserflaschen. Es ist 13.30 Uhr, als wir losfahren. Zunächst geht es über den Rügendamm und Stralsund nach Greifswald, anschließend weiter nach Süden auf der B 96 in Richtung Berlin. Die Ringautobahn A 10 erreichen wir gegen 18.00 Uhr. Auf Höhe Potsdam fahren wir auf die A 2 in Richtung Magdeburg und Helmstedt. Wir wollen über Salzgitter nach Hildesheim. Ab Hildesheim rollen wir weiter auf der B 1 in Richtung Hameln, dann über Betheln und Gronau nach Rheden. Um 22.30 Uhr sind wir dort. Axel setzt mich bei meinen Schwiegereltern und meiner Familie ab, die dort über Pfingsten zu Besuch ist. Anschließend fährt er die restliche Strecke über die B 3 alleine weiter und hofft gegen 23.30 Uhr bei seinen Eltern in Sudheim zu sein.

Wir sind einer Meinung, dass diese Segelreise eine schöne Sache war. Deshalb wollen wir versuchen, dies in ähnlicher Form im nächsten Frühjahr zu wiederholen.

Hans-Werner Kneusels

Revierbeschreibung Plattensee

Nachdem wir nun 2 Wochen am und auf dem Plattensee unterwegs waren, hier unser ganz persönlicher Eindruck dieses Segelreviers:

Als erstes muss man der Fairness halber sagen, dass wir uns von diesem Urlaub nicht allzu viel erwartet haben.
Schon allein der Preis verbot hohe Erwartungen an Unterkunft und Boot: 650,- Euro für Bungalow und Segelboot für 2 Nasen für 2 Wochen... Wir waren also gespannt, was uns erwartet.

Aber eines nach dem anderen:

Die Anreise.
Wir sind ganz klassisch auf dem Landweg mit unserem eigenen PKW angerückt. Da wir über Nacht von Samstag auf Sonntag gefahren sind, hatten wir keinerlei Probleme mit Staus oder ähnlichem. Nach lächerlichen 12 Stunden Fahrt durch Deutschland und Österreich (um einiges an Vignettengebühr und Tunnelmaut ärmer) inklusive Pausen kamen wir gegen Mittag in Sarmellek an. Ein kleines Kaff etwas abseits des Plattensees. Wir wurden von anderen Gästen der Anlage in Empfang genommen, da der Chef aktuell in Kroatien ein Boot reparieren muss. Alles in allem aber ein netter Empfang, der Bungalow hätte es auch für 4 Personen getan und ist sauber und ordentlich. Die Ausstattung ist in Ordnung, alles funktioniert.
Am nächsten Tag sollten wir unser Boot aussuchen können. Also erstmal in die nächste Stadt: Kesthely. Fragt mich bitte nicht wie das ausgesprochen wird, ich habe binnen unserer 2 Wochen Aufenthalt keine schlüssige Antwort auf diese Frage erhalten.

Der erste Eindruck:
Frisch renoviert neben alt und verfallen… ich denke dies beschreibt es ganz gut. Also ähnlich wie in vielen südeuropäischen Ländern. Die Infrastruktur ist allerdings einwandfrei. Öffentliche Trinkwasserbrunnen stehen ebenso zur Verfügung wie Geldautomaten, Tankstellen usw. eben alles was man so braucht. Dazu gesellen sich natürlich die üblichen Touristenfallen wie Souvenir und Andenkenläden, und auch die sonst ausgestorbenen Wechselbuden gibt es hier noch dicht an dicht. Da Ungarn die Kriterien für den Euro noch nicht auf die Reihe bekommt, gibt es noch den Forint. Wechselkurs zur Zeit unserer Reise ca. 1 zu 290. Bissl blöd im Kopf zu rechnen, aber man gewöhnt sich dran. Als kleiner Tipp: Die Tausenderstellen mal 3 dann hat man es ca. in Euro. 5.000 Forint sind demnach ca. 15 Euro.
Kesthely selber hat eine sehr schöne Innenstadt und hat auch sonst einiges zu bieten, diverse Museen (Cadillac, Schloß, Puppen, Jagd und Foltermuseum), Strandbäder, Parkanlagen, Shops, Fahrgastschifffahrt, Seebrücke, E-Boat-Verleih und mehr. Rings um den Plattensee gibt es unzählige Burgen und verträumte Örtchen, Weinberge und Weinkeller gibt es ebenso wie Restaurants.

Marina und Boot:
Am nächsten Tag hat uns dann ein anderer Gast mit zur Marina genommen. Die Anfahrt zur Phönix Marina in Keszthely dauerte von Sarmellek aus ca. 10 bis 15 Minuten. Das geht in Ordnung.

Die Marina Selber ist recht neu, Liegeplätze sind wohl trotzdem günstig. Es sind alle wichtigen Versorgungseinrichtungen vorhanden Kran, Wasser und Strom durchgängig bis zum äußersten Liegeplatz. Aufenthaltsräume, Duschen, Toiletten etc. sind allesamt gut gepflegt und in einem fast neuwertigen Zustand. Es gibt ein Restaurant und kostenlosen Zugang zum Badestrand direkt nebenan. TOP!
Wir können aus 3 Booten wählen: ein 30er Jollenkreuzer und 2 Venus 22. Eine in „Minimalkonfiguration“ und eine mit allem was man dran bauen kann.
Wir entscheiden uns erstmal für die Minimalvariante und nach einer kurzen Einweisung machen wir das Boot klar zum Auslaufen. Der 2-Takter am Heck springt gut an und tuckert vertrauenerweckend vor sich hin. Also Leinen los und auf zur Proberunde. Die Pinne zwischen den Knien geht es gemütlich aus der Box (der Platz zum Manövrieren reicht auch für satte 40 Fuß Yachten locker aus). Der Wind weht nur mit 1 bis 2 Bft also können wir uns ganz in Ruhe mit dem Boot vertraut machen. Haben wir gedacht…

Als wir aus der Marina raus sind und etwas Abstand gewonnen haben drehe ich das Boot in den Wind und Ilona beginnt das Groß zu setzen. Das klappt auch bis zur Hälfte, dann klemmt es und geht weder vor noch zurück. Der Wind nimmt etwas zu und der Lappen hängt auf halb acht… na super. Wenigstens der Außenborder tuckert noch vor sich hin: „Töck Töck Töck…. Töck … Plöpp… AUS“ . Na toll! Hafenkino vom feinsten und wir in den Hauptrollen! Was zuerst tun? Ich prüfe den Motor und finde den Fehler rechtzeitig bevor uns der Wind in die Mole treibt. Zum Glück hat`s nur den Kraftstoffschlauch abgerüttelt und der ist schnell wieder montiert, etwas Sprit nachgepumpt und schon läuft der Kummerkasten wieder. Dann erstmal wieder auf Abstand. Ilona übernimmt dann das Ruder und ich krabbel auf Vorschiff um mich dem Segel zu widmen. Der 2te Mastrutscher von oben hat sich verkeilt und will nicht vor und nicht zurück… Nach ca. 5 Minuten zurren und zerren habe ich den Bogen raus. Das Großfall und das Vorliek müssen gleichmäßig auf Spannung gehalten werden, dann klappt`s auch mit dem Mastrutscher. Endlich Segeln! Motor aus, Wind… Weg! Grr. Wir dümpeln noch ca. 1 Stunde bei 1 Bft vor der Marina hin und her und motoren dann wieder rein. Festmachen klappt wie am Schnürchen. Enttäuschte Blicke von den Dauerliegern, kein weiteres Hafenkino für heute!

Das andere Boot:
Die andere Venus mit „Vollausstattung“ macht von Anfang an eine gute Figur. Das Rigg ist zwar ziemlich verbaut mit Jütbaum, Masthalter, 3! Wantenpaaren usw. aber die Genua wechselt trotzdem ganz gut die Seiten. Es gibt eine Sprayhood die sich im Hafen bis ans Heck mit einem Cockpitzelt erweitern lässt.
Für unseren ersten „längeren“ Törn haben wir uns die Strecke von Keszthely bis an die Zalamündung vorgenommen. Also einmal quer rüber. Sind aber auch nur 10 Kilometer. Bei 3 Bft von achtern geht’s los und wir sind binnen 2 Stunden drüben. Zurück geht’s gegen an und auch nur bis zur Hälfte dann schläft der Wind wieder ein. Nach einer Stunde Flautengedümpel schmeissen wir den Motor an (diesmal ein sehr gesitteter Honda 4-Takter mit separatem Gashebel am Heckkorb) und Motoren zurück in den Hafen.
Seglerischer Gesamteindruck:
Nach einigen weiteren Törns, mangels Wind allesamt nur im westlichen Teil das Plattensees, lässt sich folgendes zusammenfassen: Zum Segeln fährt man im August woanders hin! Ansosten ist es ein durchaus schönes Segelrevier. Da wir noch nicht so lange Segeln haben wir uns allerdings mit Absicht für den Windschwächsten Monat entschieden, um es nicht gleich zu übertreiben. Das war ein Fehler. Laut Auskunft einheimischer Segler und einiger Österreichischer Dauerlieger (Die Phönix Marina ist Stützpunkt des Österreichischen Hochsee Yachtclubs) ist der Wind bis Juli recht zuverlässig und dann ab September wieder. Trotzdem hatten wir wenigstens an einem Tag gutes Segelwetter bei 4 Bft, in Böen bis 6 Bft. Wir gaben der Venus endlich die Sporen und kamen laut Logge am Wind auf 10,2 kM/h. Nicht besonders berauschend aber immerhin. Da das Unterwasserschiff auch recht gut bewachsen war gehe ich davon aus, dass noch etwas mehr drin gewesen wäre. Am besten lief die Venus bei ca. 15 bis 20 Grad Lage. Ab 30 Grad werden die Grätings ganz schön rutschig aber kritisch wird’s auch dann nicht. Weiter auf die Backe haben wir sie gar nicht bekommen, 300 KG Ballast plus 50 KG Stahlschwert helfen der kleinen Polin wieder nach oben. An 2 Tagen haben wir den Komfort des Cockpitzeltes zu schätzen gelernt. Wegen Regen blieben die Segel unten und wir haben gemütlich in der Plicht gesessen und geangelt… so geht’s auch.



Das Revier:
Wenn man die (Platten-) Seekarte studiert bekommt man den Eindruck, dass am Ufer alle 5 km ein kleiner Naturhafen oder eine Marina zu finden ist. So ähnlich ist es auch. Beim nächsten Mal (und das wird bestimmt kommen) werden wir nur ein Boot mieten und einfach mal die ganzen kleinen Häfen anlaufen. Teilweise sieht man nur 3 oder 4 Masten hinter dem Schilfgürtel aufragen. Traumhaft.
Trotz seiner ca. 600 km² Wasserfläche ist der See im Schnitt nur ca. 3 Meter tief. Ein Echolot empfiehlt sich also dringend, wenn man nicht den Spaten auspacken will. Wer auf einer Talsperre Segeln kann, der wird auch auf dem Plattensee zurecht kommen. Nur die Wellen werden etwas höher. Auf 1 bis 1,5 Meter sollte man sich bei gutem Wind schon einstellen. Mehr gibt’s dann bei Sturm… Auch sind die Wellen wegen des niedrigen Pegels recht steil.

Besonderheiten:

Motor:
Laut Prospekten darf man den Motor nur zum An- und Ablegen, bei Flaute und im Notfall nutzen. Dementsprechend verwundert guckten wir aus der Wäsche, dass in der Marina auch ein paar Motoryachten und Motorboote zu finden sind. Die Behörden setzen das Motorverbot wohl absichtlich nicht durch um sich die wertvollen Dauerlieger nicht zu vertreiben. Also Motor ist bisher auf dem Plattensee kein Problem.

Warnsystem:
Rund um den Plattensee sind gelbe Warnlichter installiert, die je nach Warnstufe 45 oder 90 mal in 60 Sekunden blinken. 45er Taktung: Warnstufe 1, befahren des Sees nur noch bis 500 Meter Höchstabstand vom Ufer. 90er Taktung: Warnstufe 2, Befahren des Sees verboten.
Wir haben uns zuerst davon abschrecken lassen und später geärgert, weil die schon bei 4 Bft die Warnlichter anwerfen. Die Einheimischen und auch die Ordnungshüter sehen das aber Sportlich: Das zählt nur für Tretboote, Paddelboote und Schwimmer…
So haben wir es dann auch gehandhabt. Und keine Schwierigkeiten dadurch bekommen.

Unser erstes Abenteuer mit „HandgegenKoje.de“

Oktober 2013. Die Steganlage unseres Heimatvereins ist gerade eben erst abgebaut und schon zieht es uns wieder aufs Wasser. Ne große Yacht, das hätte mal was. So um die 35- 40 Fuss.

Leisten können wir uns das alleine nicht und da es unser erster Ausritt mit dem größeren Boot werden soll, wäre es schon schön jemanden dabei zu haben, der etwas mehr Ahnung hat als wir.

Im Internet gibt es verschiedene Mitsegel-Börsen. Eine davon ist www.handgegenkoje.de. Kurz nachdem ich uns dort angemeldet habe, lagen die ersten Angebote vor. Allesamt interessant und recht nett klingend. Die Mischung der Angebote ist bunt: Von professionellen Anbietern bis hin zu Rentnern, die Ihre Bordkasse aufbessern wollen ist alles dabei.

Ein Angebot sticht dabei heraus, längerer Text und sehr sympathisch geschrieben. Ausserdem das Angebot nicht als Fockaffe und Handlanger an Bord zu gehen, sondern als vollwertiges Crewmitglied. Nach einem Kennenlern- Nachmittag bei uns daheim standen die Rahmenbedingungen fest:

Crew: 5 Personen
Schiff: Irgendwas um die 45 Fuss
Route: bei gutem Wind Rund Fünen, sonst mal schauen wie der Wind steht
Termin: 23.05.2014 bis 30.05.2014

Das Schiff wurde dann vom Skipper ausfindig gemacht:
Die Janila- Eine Bavaria 45 Cruiser mit Heimathafen Maasholm.
Die Ausstattung klang vielversprechend: Rollgenua, Rollgroß, großer Kartenplotter, Funk und eben alles was dazu gehört.
Maasholm war als Ausgangspunkt in die dänische Südsee ideal.
Nun musste nur noch die Zeit bis Ende Mai vergehen.

Nach Absprache mit dem Eigner der Janila konnten wir bereits Freitag Abend an Bord und uns schon einmal häuslich einrichten. Das war auch ganz gut so, denn es braucht schon seine Zeit bis alles was man so zu brauchen glaubt in den Schapps und Fächern verschwunden ist.

Das Schiff machte vom ersten Moment an eine gute Figur. Sauber und technisch in einwandfreiem Zustand, mit neuem Mast und Großsegel ausgestattet ist die Janila zwar nicht das Allerneuste aber trotzdem ein schönes und sicheres Schiff.

Wir haben uns im Vorfeld darauf geeinigt, dass dieser Törn für uns alle eine Art „Ausbildungstörn“ werden soll also haben wir aus den Themen Seemannschaft und Sicherheit einen kleinen Sport gemacht. Wenn einer ne gute Idee hatte wurde sie mitgeteilt und wenn sie wirklich so gut war auch umgesetzt. Dass es dabei zu keinerlei Reibereien oder ähnlichem kam grenzt schon fast an ein Wunder, aber die zusammengewürfelte Crew funktionierte hervorragend, wie sich die nächsten Tage noch herausstellen sollte.

Am nächsten Morgen kam der Eigner und hat uns eine zünftige Einweisung verpasst, und dann waren wir endlich klar zum Auslaufen.
Der Wind blies mit gemächlichen 2 bis 3 Bft das Ablegemanöver aus der, für ein Schiff dieser Größe furchtbar ungünstigen Box, klappte auch ganz gut. Also Kurs Schleimünde und dann die Lappen raus. Als erstes haben wir das Groß raus gezogen, was bei den geringen Windgeschwindigkeiten kein Problem darstellte. Trotzdem haben wir das Boot immer mit der Nase in den Wind gedreht, wenn wir das Großsegel ein oder ausgerollt haben.

Der Wind stand für eine Umrundung der Insel Fünenzwar gar nicht so schlecht (theoretisch zumindest) aber die Stärke ließ dann anfangs doch zu wünschen übrig. Also Planänderung: Erstes Etappenziel: Sonderborg und danach den Als-Sund und Als-Fjord hoch. Der Wind schlief leider gegen Mittag fast vollständig ein, sodass wir die letzten Meilen mit dem eisernen Spinnacker zurücklegen mussten.

Sonderborg an sich ein ist ein schönes Städtchen mit einer schönen Marina, die leider etwas ab vom Schuss liegt. Mit unserem 45 Fuss- Schiffchen hätten wir auch problemlos im Stadthafen fest machen können, aber wir wollten nicht riskieren keinen Platz mehr zu bekommen und haben deshalb direkt in der Marina festgemacht. Der erste Anleger mit unbekanntem Schiff und unbekannter Crew lief überraschend problemlos. Ich möchte mal spekulieren, dass keiner von uns Lust hatte sich mit Hafenkino zu beschäftigen, wegen der allseits knurrenden Mägen, was den restlichen Ablauf des Abends schon vorher bestimmte: Schiff aufklaren, Anleger trinken, Restaurant suchen, Essen, Schlummertrunk, Schlafen!

Am nächsten Morgen stand nach der Lektüre des Wetterberichts fest: Rund Fünen wird wohl nicht`s werden.
Stattdessen wollten wir gemütlich den Als-Sund und den Als-Fjord hochschippern und dann zusehen, dass wir wenigstens bis nach Assens kommen, um von dort aus evtl. doch noch rund Fünen einzuschwenken oder aber Südlich abzudrehen und dann die Dänische Südsee unsicher zu machen.
Gesagt, getan. Am nächsten Morgen machen wir dann nach einer herrlich ruhigen Nacht los und passieren nach dem Stadthafen von Sonderborg die Klappbrücke und laufen unter Motor mit ca. 5 bis 6 Knoten den Als-Sund hoch. Herrlich, auch wenn die Segel nur zum unterstützen hervor geholt werden, da wir uns mit dem Schiff noch nicht so vertraut fühlen um bei einem Winddreher in dem engen und gut besuchten Fahrwasser noch Kapriolen zu schlagen.
Der Wind weht anfänglich mit gemütlichen 2 bis 3 Bft aus Ost und schiebt uns in aller Ruhe den Als Fjord hoch und danach in den Belt, wo wir Assens direkt anliegen können. Bis der Wind, wie am ersten Tag, gegen Mittag einschläft. Dazu kommt noch die Sonne raus, und wir garen eine Weile im eigenen Saft. Die Ostsee lag schwer wie Öl um uns herum, also entschlossen wir uns wieder den Motor zu bemühen und hofften auf etwas Wind, der leider bis zum Abend nicht wirklich wieder auffrischen wollte. Dafür haben wir ein anderes Naturschauspiel beobachten dürfen: Schweinswale. Teilweise nur 10 bis 20 Meter neben unserem Boot. Schön, dass es sie noch gibt. Immer, wenn ich welche sehe, dann wird mir ganz warm ums Herz.

Als wir Assens erreichen fängt es schon langsam an zu dämmern. Daher wird heute an Bord gekocht. Da wir gleich 2 Hobbyköche an Bord haben, steht das, was aus der Kombüse kommt den meisten Restaurants in kaum etwas nach. Der weitere Abend belohnt uns mit einem herrlichen Sonnenuntergang und diversen Bier und Weinspezialitäten aus der Backskiste. Assens selber hat eher den Charme eines Industriehafens, was er ja auch eigentlich ist. Ein paar hundert Meter von uns entfernt löscht ein Frachter seine Ladung aus Baumstämmen, ein riesiger Schlepper liegt im Trockendock auf der anderen Seite des Hafens.

Am nächsten Morgen hat der Wind dann etwas zugelegt und wehte mit angenehmen 3 bis 4 Bft aus Ost. Die Entscheidung nach Süden abzudrehen war schnell gefällt und uns stand der bis dahin beste Segeltag bevor. Nahezu Halbwind ging es unter Vollzeug Richtung Faaborg. Rauschefahrt. Das Rollgroß ist nichts für Leute mit Regattaambitionen. Für den Komfort muss man einiges an Einbußen hinnehmen. Ein durchgelattetes Groß würde dem Schiff besser zu Gesicht stehen. Aber Länge läuft und so versegeln wir trotzdem die meisten Yachten mit dem selben Kurs. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Bis zum Nachmittag frischt der Wind auf 5 in Böen 6 Bft auf und wir haben in Faaborg erstmal Probleme einen geeigneten Platz zu finden und brauchen wegen dem ungünstigen Wind 2 Anläufe bis wir endlich in der Box sind. Die Liegeplätze für Boote über 12 Meter sind bereits dicht daher müssen wir uns mit etwas „Nachdruck“ zwischen den Dalben des äußersten Liegeplatzes hindurch quetschen. Aber auch dieses Anlegemanöver funktioniert gut. Einziges Problem. Unser Bugkorb ist ca. 1,50 Meter über dem Steg. Klettern ist angesagt, wenn man vom Boot runter und wieder drauf will... Kurze Zeit später kommt noch ein Engländer mit ner 46 Fuss Moody in den Hafen, dem nichts anderes übrig bleibt, als längsseits bei uns festzumachen.
Dafür hat die nette Eignerfamilie eine Leiter dabei, die wir uns von da an teilen.

Faaborg wird an diesem Abend noch auf der Suche nach einem Hot Dog-Stand erkundet, aber noch nicht einmal eine Fischbude am Hafen hat geöffnet. Also muss die Kombüse wieder zeigen was drin steckt. Der Stadthafen von Faaborg ist allerdings sehr schön und meines Erachtens nach der Schönste unserer Reise.

Am nächsten Morgen weht es mit ca. 6 Bft recht kräftig und wir beschliessen heute nach Marstal zu segeln. Der Wetterbericht spricht noch von 6 Bft den ganzen Tag und Böen bis 7. Wir schmeißen uns ins Ölzeug, und schnallen die Rettungswesten an. Als wir aus der Bucht von Faaborg raus sind erwischt uns die erste größere Welle querab und macht uns erstmal schön nass. Eine passende Einstimmung auf das was folgt. Der Wetterbericht bewahrheitet sich wiedereinmal nicht und der Windanzeiger gibt konstante 8 in Böen 9-10 Bft aus. Die Genua haben wir schon längst drin als wir wieder unter Land kommen und die Westküste von Äro entlang segeln. Da wir vom Eigner des Bootes angehalten wurden das neue Rollgroß nicht zu reffen, und die gereffte Genua sich auch nicht zum Kreuzen eignet entscheiden wir uns das letzte Stück bis Marstal gegenan zu motoren. Mit leicht gesteigerter Marschfahrt kommen wir nur mit ca. 3 bis 3,5 Knoten vorran. Die Anteuerung Marstal ist auch nicht ganz einfach, mit 8 Bft von der Seite sind 20 Meter Fahrwasserbreite nicht wirklich viel.

Im Hafen von Marstal steht dermassen der Schwell, dass wir bequem an der Beton-Mole festmachen können und das Deck dann sogar noch ca. 10 cm über der Mole steht. Der berühmte Badewanneneffekt der Ostsee. Wir packen alle Fender und Festmacher aus und machen so fest, dass das Boot zur Not über Nacht auch noch absacken kann, falls der Sturm nachlässt. Dann geht’s wieder auf Restaurant Suche und diesmal werden wir fündig. Fru Berg hat noch offen und nach nem leckeren Fisch und nem 0,75 Carlsberg Dunkel ist die Welt wieder im Lot.
Am nächsten Morgen ist der Sturm noch da, und immer mehr Boote suchen in Marstal Schutz. Es wird eng im Yachthafen und die Entscheidung an der Mole festzumachen erweist sich als absolut richtig. Bei den An- und Ablegemanövern an den Stegen gibt es jede menge Kleinholz.
Wir bleiben noch einen Tag. So eilig haben wir es nicht und in Marstal haben tatsächlich Geschäfte offen. Das Seefahrtsmuseum ist wirklich schön gemacht, und wer mal einen richtigen Holzrumpf auf der Helling sehen will kommt hier auch auf seine Kosten. Ein Tag Pause mit spazieren gehen am Strand, Einkaufen und lecker Essen tut auch mal ganz gut. In den letzten beiden tagen haben wir außerdem mehrere „Mayday“-Rufe reinbekommen.
Einkaufen und lecker Essen tut auch mal ganz gut. In den letzten beiden tagen haben wir außerdem mehrere „Mayay“-Rufe reinbekommen.
Der nächste Tag macht das schlechte Wetter der vergangenen Tage wieder wett. Bei 4, in Böen 5 Bft geht es Richtung Damp. Perfektes Segelwetter. Sonne, Wind und angenehme Temperaturen lassen das Seglerherz höher schlagen. In Damp angekommen müssen wir lachen. Fast eine Woche sind wir nun durch Dänemark gesegelt und haben keinen einzigen Hot-Dog-Stand und keine Backfisch-Bude gesehen! Der erste Hafen in Deutschland hat gleich alles parat: Hot Dog`s, Backfisch, Pommesbude etc. Mit einem schlechten Gewissen und mehreren Hot Dog`s und Fischbrötchen im Bauch sitzen wir auf einer Terasse und beobachten wie diverse volltrunkene Horden die Strandbar kapern und das dortige Personal der Lage nicht gewachsen ist... Es ist Vatertag!
Egal wir haben noch genug Vorräte an Bord, also ist Restevernichten in der Kombüse angesagt!

Unser letzter Segeltag verwöhnt uns nochmal in vollen Zügen. Wind und Sonne satt! Als wir in in Richtung Schleimünde fahren passiert das Unaussprechliche! Wir müssen ein MOB-Manöver fahren! Dem Steuermann hat es seine Mütze vom Kopf geweht. Alles geht blitzschnell. 2 Besatzungsmitglieder beobachten die hilflos und ohne Rettungsweste im Wasser treibende Mütze. ca. 2 Minuten später ist die triefnasse Kopfbedeckung des Steuermannes wieder an Bord, wir sind stolz auf unser gutes Mütze-Über-Bord-Manöver und können unsere Fahrt nach Maasholm ohne weitere Koplikationen fortsetzen.
Den einzigen Schaden am Boot verursachen wir dann natürlich beim letzten Anlegemanöver. Der Wind drückt uns seitlich in eine Dalbenreihe, wobei eine Relingsstütze dran glauben muss. Der Eigner sieht das recht entspannt, und am Nachmittag sitzen wir wieder im Auto und treten die Rückfahrt an.

Unsere erste Ostseewoche mit einem größeren Boot hatte so ziemlich alles was man braucht. Von Glatter See und Motorfahrt bis Sturmsegeln wurde uns alles geboten. Das Experiment Hand gegen Koje hat sich für uns gelohnt. Wir haben neue Bekanntschaften geschlossen und eine Menge Erfahrungen gesammelt.

Fazit: Jederzeit gerne wieder!

Lieben Gruß und immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel
Christian und Ilona

Die "Hoff"-nungs Flotille.

Es fing mit einer harmlosen Rundmail von Martin an. O-Ton: "Hallo leute, ich möchte im nächsten Jahr mal eine Flotille organisieren. Es werden so ca. 2 bis 3 Boote und ca. 15 Teilnehmer"

Klingt gut, dachten wir uns. Da machen wir mit!
Wir konnten uns als Pärchen sogar die geräumige Bugkabine auf der 46 Bavaria sichern. Zufällig die gleiche Bauart wie unser Charterschiff vom letzten Jahr.

Kurze Zeit später hört meine Frau nur noch meine Kinnlade auf dem Schreibtisch einschlagen. Martin hat nochmal eine Mail geschickt: "Hallo zusammen, es wird wohl doch größer"
Um es kurz zu machen, wir waren ca. 38 Teilnehmer auf 7 Schiffen zwischen 31 und 50 Fuss. Und das in der südlichen Ostsee. Das wird witzig...

Das erste Teilnehmertreffen fand dann auch bald statt und hatte folgende Konsequenzen für uns: Wir als Pärchen mit unbekanntem Skipper und unbekannten Crewmitgliedern für eine Woche auf einem Boot.
Kennen wir ja, vom letzten Jahr. Da hat sich das ganze wirklich gut bewährt, also was sollte schon schief gehen.

Das Crewtreffen für unsere "Snoopy" kam auch schneller als erwartet und dort war dann klar, dass es auch dieses mal ein entspannter Törn werden würde.
Als wir uns dann in Heiligenhafen wieder sahen ging auch alles ganz schnell. Yacht übernehmen, Proviant bunkern und noch nicht los Segeln, es war ja erst Freitag.

Samstag ging es dann aber endlich raus und mit einem unglaublichen Schlag von Heiligenhafen nach... Burgstaaken. Also einmal unter der Fehmarnsundbrücke durch und schon wieder fest machen.
Das wollte Martin so, weil dort seine Lieblingskneipe steht. Der goldene Anker. Und mit einer Flottille kann man auch im Kommunalhafen anlegen, was den Charme hat, dass man dorthin nicht zu weit laufen muss.
Schöner Nebeneffekt: Durch den kurzen Schlag und das durchwachsene Wetter hatten alle Crews Zeit, sich aufeinander einzuspielen und sich mit den Schiffen richtig vertraut zu machen.

Nach einem schönen Abend im goldenen Anker wachten wir am nächsten morgen nicht sonderlich rechtzeitig auf und tuckerten ganz gemütlichauf die Ostsee hinaus.
Tagesziel: Nakskov. Das Wetter wurde langsam besser und wir konnten endlich einen etwas längeren Schlag segeln. Die Flotille zog sich ganz schön auseinander und so ging dann auch der Funkverkehr los, wo wir denn nun festmachen.
Anweisung war im Hafen am U-Boot vorbei zu fahren und ganz hinten im Handelshafen fest zu machen. Nach einigen Unklarheiten, Marke: "Hier ist kein U-Boot"- "Doch da muss eins sein, Ihr müsst nur weiter rein fahren"- "Wenn wir noch weiter reinfahren stehen wir aufm Parkplatz vom Supermarkt" kam dann die Info, dass das U-Boot dort nicht mehr liegt und in ein anderes Museum transportiert wurde. Im Hafenhandbuch ist es noch eingezeichnet...
Am Abend hatten wir uns dann alle wieder gefunden und lagen gemütlich in Reihe.
Der Hafen von Nakskov bietet beste Versorgungsmöglichkeiten und moderne Samitäranlagen. Also nicht schlecht um noch schnell die Sachen einzukaufen, die man vorher vergessen hatte. Der übliche Seglerabend folgte: Bier und Wein am Cockpittisch... herrlich.

Der nächste Morgen hielt für uns beim Auslaufen eine Überraschung bereit. Der Hafenmeister war nicht aufzufinden und somit konnten wir den Sani-Schlüssel nicht abgeben. Aber wir mussten (wollten) los und so haben wir zähneknirschend die 40€ Pfand da gelassen... Egal, das Tagesziel war einer der schöneren Häfen: Bagenkop.

Nach einem schönen Segeltag in Bagenkop einzulaufen ist was feines. Es gibt Grillhütten, einen Aussichtsturm, nen Bäcker direkt am Steg und dazu ein schönes Dänisches Städtchen, wie man es sich vorstellt.
Nun schlug allerdings die Stunde des "Admirals", wie Martin als Organisator mittlerweile genannt wurde.
Er hatte sich Spiele ausgedacht... Seit dem hat Bagenkop was von Las Vegas. Was dort geschieht, bleibt auch dort.
Ich will es mal in Stichworten zusammen fassen: Grillen, Bier, Wasserpistolen, Seile und seltsame Fragen. Der Rest sei an dieser Stelle der Fantasie eines jeden Einzelnen überlassen.

Der nächste Tag bescherte uns den längsten Schlag des Törns. Dummerweise auch gleich den, mit dem wenigsten Wind. 50 Seemeilen von Bagenkop nach Nysted. Sonne satt und garen im eigenen Saft, während wir an einem schier endlos erscheinenden Windpark vorbei und durch einen zweiten hindurch tuckern. Erst mit ausgebaumter Genua und Bullenstander am Baum, später unter Motor. Wind kam dann erst wieder in der Ansteuerung nach Nysted auf. Und die ist nicht ohne. Veränderliche Tiefen mit großen Steinen und wechselnde Betonnung verspricht die Seekarte hier. Und behält recht. Als wir alle sicher und heile in Nysted liegen ist es dann auch schon fast 22:00 Uhr. Was auch teilweise der Inkompatibilität einer Gennakerschot mit einer rotierenden Schraube geschuldet ist...

Am nächsten Tag erkunden wir erst noch Nysted, eines der hyggeligsten dänischen Städtchen, die mir bisher untergekommen sind. Als wir wieder auf der Ostsee sind ziehen wir auf dem Weg nach Kühlungsborn seglerisch das große Los. Mit 9,5 Knoten in kuzer Hose und T-Shirt durch die Ostsee zu pflügen geht nicht all zu oft. In Kühlungsborn angekommen passiert mit mir erstmal das, was den meisten passiert, die aus Dänemark den ersten größeren Yachthafen in Deutschland anlaufen: Ich will wieder weg. Es gibt wenige Liegeplätze, die von den Sanitäranlagen so weit entfernt sind wie die unseren. Zum Hafenmeister ist es genau so weit. Dafür dürfen wir dann auch noch 3 mal soviel bezahlen wie in Dänemark, da hier, typisch Deutsch, für jedes Crewmitglied auch noch Kurtaxe verlangt wird. Und das Ganze für einen Hafen ohne jegliche landschaftliche Einfassung, dafür mit einer Ballermann-ähnlichen Promenade incl. Touristenfallen und Wohnsilos daneben. Immerhin, die Restaurants sind nicht schlecht und preislich im Rahmen.
Die weiteren Spiele aus Martins Trickkiste seien mit folgenden Worten gewürdigt: Badeinseln und Bratpfannen.

Der vorletzte Tag führt uns auf vorwind bis raumschot- Kursen zurück nach Burgstaaken. Der Goldene Anker und eine zeitige Übergabe der Boote am nächsten Tag locken uns wieder bis fast an unseren Startpunkt zurück. Nach der leckeren Scholle aus besagtem Restaurant und weiteren Spielen steht dann auch der Gesamtsieger der Flottillenolympiade fest: Wir waren es nicht, haben uns aber tapfer den 2ten Platz gesichert. (Vielen Dank für die Badeinsel an die Crew der Momo ;-)

Der nächste Tag geht leider viel zu schnell vorbei. Wir nutzen die Düse unter der Fehmarnsundbrücke um unsere Snoopy unter Vollzeug am Wind nochmal bis an den Sonnenschuss heran zu kitzeln. Schon witzig, wenn man im Schiff vor dem Herd steht und durch das Seitenfenster die Fische beobachten könnte, wenn welche da wären...

Wieder in Heiligenhafen festgemacht ist das Boot genau so schnell wieder abgegeben, wie wir es übernommen haben.
Ein weiterer schöner Törn geht zu Ende. Und die nächste Flottille kündigt sich schon an. Hoffentlich wieder mit uns.

Handbreit,
Ilona und Christian